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Die Entwicklung der israelitischen Kultusgemeinden Güssing, Rechnitz und Stadtschlaining in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts [5].

Gert Polster, Bad Tatzmannsdorf

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Schlaining ging hier einen anderen Weg. Beim Besuch des Mattersdorfer Rabbiners wurde die Rückversetzung des Almemors zugesagt und später auch durchgeführt. Die Entwicklung des Synagogenumbaus in Schlaining schildert Leopold Moses folgendermaßen:

»Diesen Verfall konnte auch gewiß nicht hindern, dass, wie man heute sagen würde, durch einen Putsch, während sich der Rabbiner Moses Weinreb zum Kurgebrauch in Baden befand, am 7. Juli 1860 der Vorstand der Gemeinde, wohl angeregt durch das fünf Jahre vorher von der Nachbargemeinde Rechnitz gegebene Beispiel, die Renovierung der Synagoge und zur ‚Bundeslade-Vorwärts-Rückung des sogenannten Allemers’ (so!) beschloß. [...] Der Rabbiner sandte, nachdem er von diesem Beschluß erfahren hatte, aus Baden unter dem 11. Juli einen energischen Protest an den Stuhlrichter von Oberwarth, erreichte damit aber nur eine Verschiebung der geplanten Maßnahme.«[29].

Drei Jahre später wurde die Versetzung des Almemors unter erheblichem finanziellen Aufwand durchgeführt. Mit dem ortsansässigen Rabbiner Weinrebe konnte sich die Gemeinde anscheinend nicht einigen, denn die Einweihung der renovierten Synagoge nahm der Rechnitzer Rabbiner Maier Zipser am Vorabend des Neujahrfestes 1864 vor.
Einzig Güssing ist in diesem Zusammenhang schwer einzustufen, hier fehlen die notwendigen Überlieferungen bzw. eingehende Forschungen. Ein Foto vom Inneren der Güssinger Synagoge zeigt die Lage des Almemors in der Mitte des Raumes. Hier dürfte es nie zu einer Versetzung gekommen sein.

Die bürgerliche Gleichstellung stellte die jüdische Bevölkerung vor die grundsätzliche Entscheidung ungarische Juden bleiben, oder Ungarn jüdischer Konfession werden zu wollen. Dies drückte sich zum einen wie oben dargestellt in rituellen Fragen aus, die bei den Reformern zur teilweisen oder gänzlichen Aufgabe der Ausrichtung des Lebens nach den religiösen Gesetzen führte. Zum anderen drückten viele ihre Zugehörigkeit zum ungarischen Staat dadurch aus, dass sie ihren Namen magyarisieren ließen und dadurch ihre jüdische Identität nach außen hin ablegten. Auch für die drei Gemeinden gibt es hier genügend Beispiele.
Ganz wenige gingen den äußersten Schritt der gänzlichen inneren Emigration in Form einer Konversion zum Christentum.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die staatliche Gesetzgebung - wie im übrigen Ungarn auch - einen wesentlichen Einfluss auf die Entwicklung der israelitischen Kultusgemeinden Güssing, Rechnitz und Stadtschlaining genommen hat. Sie hat Rahmenbedingungen verändert, die von einer Seite als Beschränkung und von der anderen Seite als Schutz angesehen wurden.
Abwanderung und innere Neuausrichtung bestimmten die jüdischen Gemeinden des Südburgenlandes in dieser Zeit, die mit Fortschreiten dieser Entwicklung immer mehr zu einem Schatten ihrer selbst wurden.

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Gedruckte Quellen:.

Schematismen der Diözese Szombathely 1808, 1822, 1839, 1844, 1859, 1868, 1871, 1880, 1895, 1910

Ungedruckte Quellen:.

  • Vas Megyei Levéltár (VML)
  • Matriken der israelitischen Kultusgemeinden Güssing, Rechnitz, Stadtschlaining
  • Judenkonskriptionen von Güssing, Rechnitz, Stadtschlaining 1848
  • Burgenländisches Landesarchiv (BLA)
  • Jüdisches Zentralarchiv (JZA), E Güssing; K Rechnitz; L Stadtschlaining
  • Regierungsarchiv, laufende Registratur, Abt. IV B, 1067-1938; Abt. VIII, 567-1926

Literatur::.

  • Edit Balázs (Hg.), Jüdische Erinnerungen in der West-Pannonischen EuRegion (Szombathely 2008)
  • Gerhard Baumgartner, Geschichte der jüdischen Gemeinde zu Schlaining (Stadtschlaining 1988)
  • Ders., Die jüdische Gemeinde zu Güssing. In: Schlomo Spitzer (Hg.), Beiträge zur Geschichte der Juden im Burgenland (Wien 1995)
  • Milivoj Dretar, Povijest doseljavanja Židova u ludbreški kraj. In: hakol. Glasilo Židovske zajednice u Hrvatskoj (Nr. 102, 2007) S. 34-36
  • Hugo Gold, Gedenkbuch der untergegangenen Judengemeinden des Burgenlandes (Tel Aviv 1970)
  • Peter F.N. Hörz, Jüdische Kultur im Burgenland. Historische Fragmente – Volkskundliche Analysen (=Veröffentlichungen des Instituts für Europäische Ethnologie der Universität Wien 26) (Wien 2005)
  • Rudolf Kropf (Hg.), Juden im Grenzraum. Geschichte, Kultur und Lebenswelt der Juden im burgenländisch-westungarischen Raum und in den angrenzenden Regionen vom Mittelalter bis zur Gegenwart (=WAB 92) (Eisenstadt 1993)
  • Ders., Sozialstruktur und Migration von der Mitte des 18. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts am Beispiel der Schlaininger Judengemeinde. In: Rudolf Kropf (Hg.), Juden im Grenzraum. Geschichte, Kultur und Lebenswelt der Juden im burgenländisch-westungarischen Raum und in den angrenzenden Regionen vom Mittelalter bis zur Gegenwart (=WAB 92) (Eisenstadt 1993) S. 107-123
  • Mathias Macher, Die den Gränzen der Steiermark nahen Heilwässer in Ungarn, Kroatien und Illyrien. Physikalisch medizinische Beschreibung der Sauerbrunnen zu Tatzmannsdorf und Sulz, der schwefelhaltigen Bäder bei Warasdin und Krapina, und der Thermen bei Stubitza Tschatesch und Neustadl (Grätz 1834)
  • Gerhard Oberkofler, Samuel Steinherz (1857-1942). Biographische Skizze über einen altösterreichischen Juden in Prag (Innsbruck 2008)
  • Harald Prickler, Beiträge zur Geschichte der burgenländischen Judensiedlungen. In: Rudolf Kropf (Hg.), Juden im Grenzraum. Geschichte, Kultur und Lebenswelt der Juden im burgenländisch-westungarischen Raum und in den angrenzenden Regionen vom Mittelalter bis zur Gegenwart (=WAB 92) (Eisenstadt 1993) S. 65-106
  • Artur Rosenberg, Geschichte der Juden in Steiermark (Wien/Leipzig 1914)
  • Gerhard Salzer-Eibenstein, Die Geschichte des Judentums in Südostösterreich von den Anfängen bis ins 20. Jahrhundert. In: Israelitische Kultusgemeinde für Steiermark, Kärnten und die politischen Bezirke Oberwart, Güssing und Jennersdorf (Hg.), Geschichte der Juden in Südostösterreich (Graz 1988), S. 97-125
  • Paul Wildner, Der Historiograph und Journalist Richard Charmatz (1879-1965) (Phil. Diss., Wien 1972)

[29] Leopold Moses, Schlaining. In: Jüdische Presse, Nr. 36, 9.9.1927, S. 222 [Zurück zum Text (29)]

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