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Joseph Joachim und Carl Goldmark [1].

Gerhard Winkler, Eisenstadt

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Im folgenden Doppelporträt geht es um jene beiden Musiker, deren Namen schon mehrmals bei dieser Veranstaltung gefallen sind: Carl Goldmark und Joseph Joachim. Anders als bei den meisten vorhergegangenen Vorträgen wird es nicht um jüdische Musik oder Musikausübung gehen. Was ich versuchen werde ist, mir einen musikhistorischen Reim auf die Tatsache zu machen, dass die beiden Personen, die auswärts Karriere gemacht haben, jüdischer Herkunft sind und aus dem Gebiet des heutigen Burgenlandes stammen.

Zunächst ihre Biographien im Abriss. Ich fange mit Joachim an, obwohl er sowohl nach Geburt als auch Alphabet der spätere ist.

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Joseph Joachim.

Der große Geiger Joseph Joachim wurde am 28. Juni 1831 in Kittsee geboren; die Familie stammte ursprünglich aus Schwaben, der Vater war ein jüdischer Kaufmann, der der jüdischen Gemeinde von Kittsee angehörte. (Joachim verbrachte aber seine Kindheit nicht in Kittsee.) Die Familie verließ Kittsee schon zwei Jahre später, 1833, und übersiedelte nach Pest. Das Geigentalent Joachims fand bald adäquate Lehrer; die musikalische Karriere führte von Pest nach Wien, dann nach Leipzig mit Debüt im Gewandhaus unter Mendelssohn; Konzertreisen nach London, Wien und Prag folgten. Niemand geringerer als Franz Liszt holte Joachim 1850 als Konzertmeister nach Weimar; 1852 ging er in gleicher Funktion an den Hannoveranischen Hof, wo er 1859 zum Konzertdirektor ernannt wurde; 1866 ereilte ihn der Ruf aus Berlin, wo er die Leitung der neugegründeten Königlichen ›Lehranstalt für ausübende Tonkunst‹ übernahm, aus der 1869 die der Akademie der Künste angegliederte Musikhochschule hervorging (die heutige Universität der Künste), in deren Direktorium er bis zu seinem Lebensende im Jahre 1907 verblieb. Joachim zählt zu den hervorragendsten Geigern und Geigenpädagogen des 19. Jahrhunderts, sein 1869 gegründetes Streichquartett war schul- und stilbildend. Aus seiner Schule gingen etwa 400 Violinisten hervor; Joachim ist Widmungsträger zahlreicher Violinkonzerte, darunter derer seiner Freunde Schumann und Brahms sowie jener von Max Bruch, Tschaikowsky und Dvorák.

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Carl Goldmark.

Der Komponist Carl Goldmark wurde am 31. Mai 1830 (also nur ein Jahr vor Joachim) im (auch heute noch) ungarischen Kesthely am Plattensee geboren; die Familie zog 1834 nach Deutschkreutz (also umgekehrt wie bei Joachim), wo der junge Goldmark etwa bis 1844 seine Kindheit verbrachte. Sein Vater, ein jüdischer Einwanderer aus Westgalizien, war Kantor und Notär der jüdischen Gemeinde. Auch Goldmark ist Geiger, doch im Gegensatz zu Joseph Joachim war der Beginn der musikalischen Karriere Goldmarks alles andere als glanzvoll. Zunächst nach eigenen Angaben Autodidakt, lernte er Violine in Ödenburg, dann in Wien, wo er u. a. etwa 5 Jahre nach Joachim denselben Geigenlehrer, Joseph Böhm hatte. Goldmark teilte unter allergrößten Entbehrungen eine Wohnung mit seinem Bruder Joseph (der übrigens später ein Studentenführer der 48er-Revolution sein sollte). Nach der Revolution, die er in seinem Heimatort verbrachte, schlug sich Goldmark als Theatergeiger in Wien herum; einen familienbedingten Aufenthalt bei seinem Schwager, dem Oberkantor an der Synagoge in Pest 1857–60 nutzte er zu intensivem Selbststudium, und konnte nach seiner Rückkehr nach Wien ab 1860 im Wiener Musikleben als Komponist langsam Fuß fassen. (Unter anderem betätigte er sich als Chordirigent und Komponist für die Männerchorvereinigung ›Eintracht‹, die aus dem Synagogenchor ›Zion‹ hervorgegangen war.) Goldmark schrieb Kammer- und Orchestermusik usw., vor allen Dingen ein vielbeachtetes Streichquartett. Den eigentlichen Durchbruch als Komponist erzielte er jedoch mit seiner ersten Oper, ›Die Königin von Saba‹, an der er insgesamt 12 Jahre arbeitete und die gegen den anfänglichen Widerstand der Direktion im Mai 1875 an der Wiener Hofoper uraufgeführt wurde. Diese Oper erzielte einen derart überwältigenden Erfolg, dass Goldmark über Nacht berühmt wurde. Für den Rest seines Lebens gehörte der Aufsteiger Goldmark, neben dem Kritiker Hanslick, Brahms (mit dem er sogar die Sommerfrische in Gmunden teilte), Johann Strauss und anderen als freischaffender Künstler geradezu zum musikalischen Establishment Wiens. Dies wird vielleicht am besten illustriert durch die Tatsache, dass Gustav Mahler, als es 1897 um den Hofoperndirektorsposten ging, auch ihn um Unterstützung bat. Goldmark starb 1915 hochbetagt und überhäuft mit Ehrungen aus Wien und Budapest, wo seine Opern noch bis 1930 eine kontinuierliche Aufführungstradition hatten.

Was haben die beiden so verschiedenen äußeren Lebensläufe zweier Musiker aus derselben Generation und derselben Herkunftsregion gemein? Auf welches gemeinsame musikhistorische Feld kann man sie projizieren? Ich möchte mich dieser Frage in verschiedenen Konstellationen annähern.

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Österreichisches Jüdisches Museum in Eisenstadt, 2005-2017