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Jüdische Speisegesetze [6].

Johannes Reiss, Eisenstadt

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Das Schächten – ein Exkurs

Wichtigste ›Basisarbeit‹, um koscheres Fleisch zu erhalten, ist wohl das ›Schächten‹ (hebräisch: Schechita). [3]. Schon oben wurde der Zusammenhang mit dem Verbot des Blutgenusses erwähnt. Das Schächten, das nach der Bibel (Deuteronomium, Kapitel 12, Vers 21) die einzig erlaubte Schlachtmethode für Tiere oder Vögel, die zum Verzehr erlaubt sind, darstellt, erfolgt durch einen Fachmann, den Schochet, mit einem vorher geprüften, scharfen, schartenfreien Messer. Der Schnitt durchtrennt in einem Zug Halsschlagader, Luft- und Speiseröhre. Bevor der Stempel für rituell geschlachtetes (koscheres) Fleisch aufgedrückt wird, müssen der Schnitt, die inneren Organe (v. a. die Lunge) und nochmals das Messer untersucht werden.

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In praxi bedingt der - in humanitärer Hinsicht - problematische Aspekt des Schächtens einen gewissen Erklärungsbedarf. In Kaschrus‹ 1989 heißt es:

»Observations of kosher calf slaughter in NY indicated that a skilled shochet could cause over 95% of the calves to collapse immediately like animals shot with a captive bolt (a so-called humane way of preparing animals for slaughter). 95% perfect effectiveness is similar in performance to stunning (another allegedly humane method) ...‹ und weiter heißt es zur Frage, was gemacht wird, wenn das Schächten verboten ist: ›... in western Europe and Canada, shackling and hoisting of fully conscious live animals for ritual slaughter is forbidden. Plants that conduct ritual slaughter in these countries are required to hold the animal in a restraining device while the throat is cut. Hoisting by the hind leg is not permitted until after the throat has been cut ...«

Fesseln und insbesondere das Hängen der Tiere zur Schächtung ist in Kanada, Australien, Neuseeland, England – und übrigens auch in Israel – verboten. In der Schweiz ist das Schächten generell verboten. In Amerika ist es nicht offiziell verboten, doch sind alle Schächter von den Koscher-Kontrollinstanzen definitiv angewiesen, vor dem Schächten einen sogenannten ›restraining pen‹, worunter ein schmaler Stall mit einer Öffnung vorne für den Kopf des Tieres zu verstehen ist, zu verwenden.

Ausführer der Schächtung ist der quasi beamtete Schochet, an den dieselben hohen ethischen Anforderungen gestellt werden wie an einen Rabbiner.

Der Schochet muss die Schächtung bewusst ausführen und darf dabei ausschließlich jene Apparate verwenden, die durch Menschenkraft angetrieben werden, also keine mechanisch-automatischen Apparate mit Wasser-, Wind- oder elektrischem Antrieb. Schächtet ein Schochet unqualifiziert, lastet die volle Verantwortung für das Töten des Tieres auf seinem Gewissen.


[3] Siehe besonders den Artikel zum Schächten auf unserer Website, und weiters: Wieshaider W., Schächten. Religionsfreiheit und Tierschutz, Freistadt-Egling, 2001, 142-152. [Zurück zum Text (3)]

Quelle:
Reiss Johannes, Jüdische Speisegesetze, in: Buckenhüskes H. J. (Hrsg.), Symposium ›Ethische und ethnische Aspekte bei der Auswahl und der Herstellung von Lebensmitteln‹. Gesellschaft deutscher Lebensmitteltechnologen e. V., Bonn 2004, 85-89.
Eine Bestellung kann telefonisch, per E–Mail oder per Post erfolgen:
Gesellschaft Deutscher Lebensmitteltechnologen e.V.
Goderberger Allee 142-148
D-53175 Bonn
Deutschland
Telefon: +49 228 379080

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