Textlogo: Österreichisches Jüdisches Museum; Zur Startseite[D]

Hauptnavigation.

 

Grundlagen des Schächtens [1].

Joel Berger, Landesrabbiner a. D., Stuttgart

Seite 1 ¦ 2.

Die jüdische Sicht.

Messerschärfer - Zur Großansicht[D]

Bild: Messerschärfer, um 1900.
Gross Family Collection, Tel Aviv.
Großansicht 28 KB.

Die Thora (die 5 Bücher Mose) beinhaltet die wesentlichen Speisevorschriften des jüdischen Volkes. Diese haben nicht nur die Mahlzeiten, die Speisekultur und sogar die Infrastruktur einer jüdischen Gemeinde mit der Berufspalette der Mitglieder, sondern selbst unsere Volkskultur maßgeblich beeinflusst.

Es wird festgesetzt, welche Säugetiere, Fische oder welches Geflügel wir verspeisen dürfen. Diese Anordnungen stellen für uns den Willen G-ttes [1]. dar, und bedürfen daher eigentlich keiner weiteren Begründung. Der Mensch ist aber ein sinnsuchendes oder auch ein sinngebendes Lebewesen. Daher möchte ich eine mögliche Erklärung eines religiösen Denkers doch einfügen:

»Es ist richtig, dass der Jude der Schöpfung G-ttes in Ehrfurcht begegnet und gewahr wird, dass nicht die ganze Schöpfung mit all der Vielfalt der Geschöpfe zu seiner ›freien Verfügung‹ erschaffen worden ist. Er soll die Natur nicht als sein exklusives ›Lebensmittel-Reservoir‹ oder seine ›Werkhalle‹ betrachten. Daher gebietet ihm sein Schöpfer, sich einzuschränken und zu mäßigen - insbesondere bei der ›Benützung‹ der Schöpfung, der Natur. Die ›Beschränkungen‹ ergeben sich aus der besonderen ›G-ttesweihe‹ oder ›Auserwähltheit‹ der Israeliten.« Zitat Joel Berger, Quelle unbekannt.

nach oben

Auch aus dieser Formulierung der ›Auserwähltheit‹ ist zu ersehen, dass diese den Juden kein Privileg, kein Vorrecht gewährt. Im Gegenteil! Vieles, was jeder andere mit Genuss verspeisen darf, müssen wir von uns weisen. Die für den Juden nicht erlaubten Tiere oder Speisen werden in der Thora - wie auch in der späteren Literatur - ›unreine Speisen‹ genannt. Das ›unreine‹ ist nicht im alltäglichen Sinne, als hygienisch ›rein‹ oder ›unrein‹ zu verstehen. Niemand könnte leugnen, dass z. B. das Pferd oder der Hase nicht minder ›sauber‹ seien, als das Lamm oder die Ziege. Diese ›Unreinheit‹, über welche die Thora spricht, stellt einen ausschließlich spirituellen Begriff dar. Die Verbote der Thora wollen auch keineswegs behaupten oder suggerieren, dass das Verzehren jener verbotenen ›unreinen Speisen‹ gesundheitliche Schäden hervorrufen könnte. Unzählige kerngesunde Feinschmecker und Genießer, die täglich Schweinshaxe, Schinken oder Krebse essen, beweisen uns, dass die Thora der Juden kein Gesundheits-Ratgeber ist.

Die Grundsätze der Speisegesetze der Thora lassen sich sehr kurz zusammenfassen:

  • Alle Säugetiere, die Wiederkäuer sind und gespaltene Hufe haben sowie auch deren Milch sind für den Verzehr freigegeben.
  • Vom Geflügel sind nur die domestizierten Arten wie Huhn, Gans, Ente oder Truthahn erlaubt und
  • von den Fischen sind jene erlaubt, welche Schuppen und Flossen haben, sowie auch deren Rogen.
  • Das allerwichtigste aber, das untersagt ist, ist der Genuss des Blutes. Dieses muss gründlich aus dem Fleisch entfernt werden.

nach oben.

Schächtszene Vogelkopf-Haggada - Zur Großansicht[D]

Bild: Schlachten des Lammes
Vogelkopf-Haggada
Großansicht 42 KB.

Die Quelle der religiösen Gesetzgebung fußt auf den Geboten der Thora, die uns sowohl das Schächten der o.g. Säugetiere und des o.g. Geflügels sowie dessen Ausführungsformen unabänderlich vorschreibt. Die genaue biblische Grundlage finden wir im 5. Buch Mose, Kapitel 12, Vers 21, wie auch im 4. Buch Mose, Kapitel 11, Vers 22. Hinzu kommt noch die verbindliche Unterweisung aus dem 5. Buch Mose , Kapitel 14, Vers 21, die uns für alle Zeiten strengstens den Verzehr von Fleisch untersagt, das von Tieren stammt, die nicht durch das rituelle, koschere Schächten geschlachtet wurden. Diese Quellen wurden in der rabbinischen Literatur, im Talmud, ergänzend kodifiziert.

Die endgültige Fassung erfuhren die Schächtgebote im Gesetzeskodex ›Schulchan Aruch‹ (JORE DEA).

Demnach lässt sich zusammenfassen, dass das Schächten nur von einem eigens dafür ausgebildeten und regelmäßig geprüften, diplomierten Schächter durchgeführt werden darf. Der Schächter muss mit einem ständig geprüften, tadellosen Messer, das keine Scharten oder Unebenheiten aufweisen darf, mit nur einem einzigen Schnitt gleichzeitig die Luft- und Speiseröhre durchtrennen. Auf diese Weise soll eine rasche Ausblutung des Tieres erfolgen, damit diesem kein zusätzliches Leiden zugefügt wird. Die Forderung nach einer raschen Ausblutung steht zudem im Zusammenhang mit der Religionsgesetzgebung der Thora, die uns an mehreren Stellen jeglichen Genuss von Blut verbietet (3. Buch Mose, Kapitel 7, Verse 26-27 und 3. Buch Mose, Kapitel 17, Verse 10-14).


[1] Traditionstreue Juden schreiben im Sinne des Dekalogs den Namen Gottes nicht aus, weshalb diese Tradition auch hier beibehalten wird. [Zurück zum Text (1)].

Seite 1 ¦ 2.

Zurück zum Text ›Artikel‹.


nach oben


Zusatznavigation.

Suche.


Zurück zur Hauptnavigation.
Zurück zur Navigation der Unterseiten von Bereich Startseite.
Zurück zum Artikel ›Schächten, Seite 1‹.
Zurück zur Zusatznavigation mit Links zu Suche, Hilfe, Lexikon und Inhalt.

Österreichisches Jüdisches Museum in Eisenstadt, 2005-2017