Textlogo: Österreichisches Jüdisches Museum; Zur Startseite[D]

Hauptnavigation.

 

Schutzbrief für die jüdische Gemeinde Eisenstadt [1].

Paul Esterházy, 1. Jänner 1690

Seite 1 ¦ 2

Wür Paulus v. Gottes Gnaden des Heyligen Römischen Reichs Fürst Esterházy Von Galantha, Palatinus des Löbl: Königreichs Hungarn und Ritter der Cumanen, des goldenen Fliesz Ritter, Erb Graff zu Forchtenstein, der Herrschaft Eyszenstatt, Lamsse, Lackenbach, Creutz, Closter, Luckenhausz, Koberstorff, Kütsee, und Kapuvár, Herrschafft Schwartzenbach und Hörtenstein, Obrister und Erb Herr der Gränitzer-Vöstung und Herrschaft Czobancz am Plattensee, Oberspan der Hoch Löbl: Adelichen Gespanschafft Ödenburg, Pest, Pilisz und Soldt, der Röm: Kays: auch zu Hungarn und Böheimb gekrönter Königl: Maytt würklicher gehaimber Rath, Cammerer, auch der umbliegenden und wohlbefindeten Hungarischen Gränitz Vöstung bestelter General und Statt-Halter in Königreich Hungarn urkhunden hiemit, und geben zu vernehmen, wie mit denen Juden von Niklspurg Contractlich Volgender, und Verlangter gestalten die Schutz Punckten aufgesetzt worden.

nach oben

  • Erstlichen: Sollen sie Juden bey Auszern-Schlosz Maihrhoff eingenohmen werden, und sollen lauth der Vorhin aufgerichten Puncten dem Schutzgeldt, ohne Verhindernus Jährl: in unser Rädt-Ambt bezahlen. Entgegen sollen den selben, wie der erste Beschlus vermög in unseren Schlosz Mayerhoff zwantzig Wohnungen Heuszl erbauth werden, doch das sie dasz Geldt zu Erbauung derselben zu Juden-Haus 50 Fl. dargeben sollen, als dann an den Pau Unkosten defalciret werden, mit dem Handlschafften sollen sie in unseren Graff- und Herrschaften, Marckh- und Dorffs-Fleckhen, auch in denen aufgenommenen Gewölbern sicher Handlungen mit allerhandt Wahren ruehig und unverhinderlich treiben darbey wir sie Schützen, und auch durch unsern Herrn Praefectum und Verwalter sollen geschützt werden, sie sollen auch gegen denen Officieren und Unterthanen mit allen gebührlichen respect erzaigen.
  • Anderten: Sollen sie alle Ihre Jüdischen Ceremonien zu celebriren, und eine Synagog mit Ihren Unkosten erbauen und Freidt-Hoff, sowohl ein Tueckh, wie auch ein Rabiner Gmain und Schull-Diener, Schlächter und Schuelldiener-maister zugelassen werden, und vor die Begrabnus sollen sie Jährlich 30 pfundt pfeffer geben.
  • Dritten: Da sich unter ihnen Rauff, und andere Händl ergeben, es seyn die selben, wie sie wohlen, sollen sie durch Ihre Jüdische Ceremonien angehörth, wan sich Straffen eraignen, sie seyndt wie sie wohlen, sollen sie selben in unseren Rändt-Ambt Eyszenstadt doch mit wissen des Verbröchen, abgestrafft, alsz zwey Theill vor uns und ein Theill vor Sie bezahlt werde, wann dann sie dergleichen nicht anzeigen, sollen sie die, Verbruchene sie Straff bezahlen.
  • Vierten: Sollen sie mit allen Handlungen wie dieselben seyn, und Nahmen haben mögen, als mit der Elle, Gewicht, masz, und Schäre treiben, Käschär machen, aber weder Weinn, noch Biier offentlich, noch in der gehaimb, auszer unter ihnen selbsten leith geben, Viiech können sie schlachten, und ein Fleisch-Panckh halten, davon sollen sie uns zwey Centen Inszlet Jährl: raichen und geben und das Fleisch, so nicht Kascher, denen Christen verkauffen, aber was sie in Viiech erkauffen, sollen sie es anzaigen, damit man versicheret, ob es gesundes Viiech ist, dann soll unter ihnen zugelassen seyn, das sie Schneider, Schuster, Schnürmacher, Kürschner, Balbierer, Docter und Goldt-schmidt zu halten zugelassen seyn.

nach oben

  • Fünften: Wann unter ihnen eine, oder andere zu viell Schulden machen solten, soll es bey unseren Rändt-Ambt zeitlich angemelt, damit nicht die Unterthanen, oder Schuldner zu schaden komben, sie sollen auch ohne wissen des Ambts nichts Nahmhafftes ausleichen, sonder anzeigen, auch mit gebührl: Interesse, das alsz dann Versicherung können geben, und dardurch alle künftige Ihrtumb verhindert werden.
  • Sechtens: Sollen sie auch von entfrembdten, und gestollten Sachen nichts kauffen, oder darauf leichen, sondern da einer mit dergleichen Sachen verangemohnet (?) soll der selbe dem Verbröchen nach gestrafft werden, dann sollen sie weder Geldt, noch selber schmöltzen, ohne wissen unser, oder unszerer Officier, dasz sie nicht in Verdacht kommen, dasz ein entfrembdtes Gueth bei ihnen verduscht werde.
  • Sübenten: Sollen sie allenthalben ihre Wohnung sauberhalten, ebenfahls in Gass und Höffen, wann dan soches nicht geschehen mächte, und einer gefunden werden soll, derselbe jedes mahl, so offt er erfunden, zur Straff 2 pfund pfeffer in unszer Ambt geben.
  • Achtens: Am Sohn- und Feyer Tägen sollen sie vor der Kürchen Zeith, als bis zöchen Uhr kein Gewölb auffmachen bey Straff 2 Fl.
  • Neuntens: Wegen der Handtlung der Mauthen in unser Güettern anbelangt, sollen sie sich mit unseren Praefecto, oder Verwalter vergleichen.
  • Zöhentens: Wegen Durch-Zug der Völckher sollen sie kein Quartier leyden, auszer dess. wann ein Landts Umschlag vorkommen möchte, dasz sie dessen nicht befreydt seyn sollen, weillen in dieszen niemandt befreidt, doch was zu erleyden seyn wirdt.

Seite 1 ¦ 2.

Zurück zum Text ›Artikel‹.


nach oben


Zusatznavigation.

Suche.


Zurück zur Hauptnavigation.
Zurück zur Navigation der Unterseiten von Bereich Startseite.
Zurück zum Artikel ›Schutzbrief, Seite 1‹.
Zurück zur Zusatznavigation mit Links zu Suche, Hilfe, Lexikon und Inhalt.

Österreichisches Jüdisches Museum in Eisenstadt, 2005-2017