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R. Simon Sofer (Schreiber; שמעון סופר)
Rabbiner von Mattersdorf 1842 - 1857 [1].

Claudia Chaya-Bathya Markovits Krempke, Bnei Brak, Israel

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Die Ankündigung sowie eine sehr kurze Zusammenfassung dieses Artikels finden Sie in unserem Blogbeitrag Der Reichsrats-Rabbiner.

Kindheit und Jugend.

Geboren Ende 1820 bzw. Anfang 1821 als zweiter Sohn des R. Moses Sofer (Chatam Sofer) in Pressburg. Beschnitten am 14. Jänner 1821 (11. Schwat 5581) von seinem Vater. Sein älterer Bruder R. Abraham Samuel Benjamin (Wolf) wurde nach dem Tode des Chatam Sofer zum Rabbiner von Pressburg ernannt.

Der kleine Simon war ein begabtes, frühreifes Kind. Schon als Kleinkind nahm ihn sein Vater zu seinen öffentlichen Toravorträgen, die er an jedem Donnerstag abhielt, mit. Mit neun Jahren soll er bereits eigene Ideen entwickelt haben. Mit 13 Jahren, anlässlich seiner Bar Mitzwa-Feier, verlieh ihm sein Vater den Titel ›Chawer‹; er galt somit als Toragelehrter. Zu diesem Zeitpunkt studierte er bereits an der berühmten Jeschiwa seines Vaters. Seine Ideen und Erkenntnisse pflegte er zu Papier zu bringen, wobei er von seinem Vater angeleitet wurde.

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Diese Hochbegabung und geistige Anstrengung scheint von dem jungen Mann ihren Preis gefordert zu haben. Obwohl seiner Veranlagung nach eigentlich eine Frohnatur, sei er als junger Mann von Depressionen befallen worden, berichtet uns sein Sohn im Vorwort zum Werk ›Michtaw Sofer‹. R. Simon habe die Gesellschaft von anderen Menschen gemieden und häufig geweint. Sein Vater und Meister habe das jedoch bemerkt, ihn zu einem Gespräch unter vier Augen in sein Privatzimmer bestellt und ihm befohlen, ihm längere Zeit in die Augen zu schauen. Er habe sodann eine große Freude verspürt, die auch weiterhin angehalten habe.

Im Alter von 16 Jahren verehelichte sich R. Simon mit Miriam, der Tochter des angesehenen und gelehrten Kaufmanns R. Dow Ber Sternberg aus Nagykaroly (Carei Mare, Rumänien) und wohnte danach bei seinem Vater in Pressburg. Von seinem wohlhabenden Schwiegervater hatte er zahlreiche prächtige Hochzeitsgeschenke bekommen - darunter silberne Becher und Löffel. Kam nun ein verarmter ehemaliger Mitschüler oder sonst ein Bedürftiger zu ihm, so veranlasste ihn sein gutmütiges Wesen, der jeweiligen Person ein oder zwei Löffel zu schenken. Das ging so lange, bis eines Tages seine Frau dahinterkam, dass der schöne Hochzeitsschatz verschwunden war. R. Simon beschwörte seine Frau: »Nur keine Verdächtigungen!«  - er kannte ja den ›Dieb‹! Der Chatam Sofer lächelte nur, als er die Klagen seiner Schwiegertochter hörte, und entschied, dass der Schlüssel zum Silberschrank in Hinkunft bei ihr zu verbleiben habe.

Auf Betreiben seines Vaters begann R. Simon nach seiner Verheiratung mit dem Studium der Kabbala, worin er durch einen Schüler seines Vaters, R. Nathan Wolf Lieber (später Dajjan in Pressburg), angeleitet wurde. Diesen Studien blieb er auch in späteren Jahren treu.

Im Jahre 1839, nach dem Tode seines Vaters, übersiedelte die kleine Familie – dem Paar war mittlerweile sein erstes Kind geboren worden – zu den Schwiegereltern nach Nagykaroly.

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Rabbiner in Mattersdorf.

Im Jahre 1842, im Alter von nur 22 Jahren, wurde R. Simon zum Rabbiner der Mattersdorfer Gemeinde ernannt. Bereits sein Vater war Rabbiner in dieser Gemeinde gewesen, bevor er nach Pressburg kam. Sein besonderes Augenmerk richtete R. Simon auf die Lehrtätigkeit und die Vergrößerung der Jeschiwa sowie auf die Jugenderziehung. Darin ähnelte er seinem Vater, wie er überhaupt dem Chatam Sofer in jeder Beziehung nachzueifern suchte.

Noch vor seiner Ankunft in der Gemeinde hatte er sich schriftlich bei der Mattersdorfer Gemeinde über die Möglichkeit zur Unterhaltung einer größeren Jeschiwa erkundigt. Als er dann schließlich in Mattersdorf ankam, ließ er alle seine Forderungen bezüglich der Jeschiwa in seinem Bestellungsschreiben festlegen. In § 10 steht:

»Um der Forderung unseres Rabbiners nach der Unterhaltung der Jeschiwa-Studenten nachzukommen, verpflichten wir uns, zwölf Jünglinge zu verpflegen. Sie sollen ihre tägliche Mahlzeit sowie ihr Sabbathmahl erhalten. Falls es mehr Burschen werden sollten, dann möge sich der Rabbiner aus diesen nach seinem Gutdünken zwölf auswählen.«

Die Unterrichtsmethode war jener an der Pressburger Jeschiwa identisch.

Es wird R. Simon nachgerühmt, dass er sich auch mit dem kleinsten Kind vorzüglich zu verständigen wusste. Hier ist auch zu erwähnen, dass er den Sohn des früh verstorbenen Dajjans R. Joel Fellner, R. Schimon Chajim, später Dajjan in Deutschkreutz und Rabbiner in Beled (Ungarn), wie einen eigenen Sohn aufzog.

Im August 1852 kam Dr. Marcus (מאיר) Lehmann, der nachmalige Rabbiner der orthodoxen Israelitischen Religionsgesellschaft von Mainz, nach einem Besuch seines Lehrers Rabbiner Dr. Esriel (עזריאל) Hildesheimer (damals noch in Eisenstadt, später in Berlin) in Mattersdorf an. Über sein Zusammentreffen mit R. Simon schreibt er:

»Abends 8 Uhr kam ich daselbst an und suchte sofort den dortigen Oberrabbiner Simon Schreiber auf. Sowohl er wie seine Frau Gemahlin empfingen mich auf's Freundlichste und ließen mich nicht fort, bis die Uhr die Mitternachtsstunde verkündete. Diese wenigen Stunden sind mir unvergesslich geblieben. Oberrabiner Schreiber, einer der schönsten Männer, die ich gesehen habe – er zählte damals 32 Jahre – überschüttete mich förmlich mit wundervollen Erklärungen schwieriger Talmud-, Midrasch- und Bibelstellen, darunter Vieles von seinem großen Vater, dem Oberrabbiner von Pressburg, Rabbi Moscheh Sopher (Schreiber).«

Erschienen in: Israelit 27/28 (1885), Belletristische Beilage, S. 461.

Lehmann berichtet dann über den Ernst, mit dem R. Simon für die Erhaltung der jüdischen Lehre in Mattersdorf wirkte. In der einigen hundert Familien zählenden orthodoxen Gemeinde hatte eine Gemeindemitglied eine auswärtige Frau geheiratet, die – entgegen der jüdischen Sitte – nach der Hochzeit ihr Haar nicht bedeckte. Als R. Simon dies vernahm, bestellte er die Vorsteher der Gemeinde zu sich und machte ihnen klar, er werde sein Amt niederlegen, falls dieser Übertretung kein Ende gesetzt werde. Die Vorsteher, die den Rabbiner unbedingt behalten wollten, bemühten sich die junge Frau zum Bedecken des Haares zu überzeugen. Da diese sich jedoch starrsinnig weigerte, veranlassten sie das Ehepaar, seinen Wohnsitz in einen anderen Ort zu verlegen.

Nach einigen Quellen soll R. Simon im Jahre 1857 zum Rabbiner von Papa (Ungarn) gewählt worden sein. Er war aber in dieser Stadt nie tätig. [Von 1854 bis 1859 war der Rabbiner von Papa übrigens R. Samuel Sommer, der Vater des in Mattersdorf beerdigten Pinchas Sommer.]

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