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Rabbi Mosche Teitelbaum aus Ujhely.
Der ›Importeur‹ des Chassidismus nach Ungarn [3].

Claudia Chaya-Bathya Markovits Krempke, Bnei Brak, Israel

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Tod.

Als Rabbi Mosche am 16. Juli (28. Tammus) 1841 das Zeitliche segnete, fand es sogar die mit der jüdischen Reform identifizierte ›Allgemeine Zeitung des Judentums‹ (37 (1841), S. 524-525) wert, darüber zu berichten. In einer Privatmitteilung aus St. Miklos [Liptovský Mikuláš in der Slovakei] vom 15. August heißt es:

»Der Tod eines der hier zu Lande bekanntesten Rabbinen erregte nicht nur in Ungarn, sondern auch in den benachbarten Ländern außerordentliche Sensation. Besonders die Chassidim, die sich beinahe seit einem Jahrhunderte im Judenthume behaupten, beweinen in ihm den ausgezeichneten Mann, den Wunderthäter, und die leuchtende Fackel, die mit ihm erloschen. – Der Tod des Mosche Dattelbaum aus Ujhely, der am 28. des Monats Tamus in einem Alter von mehr als 80 Jahren erfolgte, der Tod dieses Mannes, der beinahe durch 5 Decennien eine extravagante Lehre mit großem Erfolg geprediget, ihr eine unzählige Menge Jünger erworben, ihre Fahne an vielen Orten aufgesteckt und mit Wort und That unablässlich sie allgemein zu machen gesucht hat, während er einem großen Theil der Juden und Galizien die heftigste Wunde geschlagen, einem andern, nicht minder zahlreichen, von einem bedeutsamen Hemmniß erlöst. – Der leichtgläubige Haufe sah in ihm den Mann, der die Gabe besitzt, das waltende Geschick nach seinem Willen zu lenken, auf übernatürliche Wesen einzuwirken und sie zu zwingen, auf seine Befehle zu horchen, und die Geheimnisse der Menschen zu offenbaren, während der Erleuchtete [d. h. Aufgeklärte] in ihm einen schlau berechnenden Betrüger erkannte. [...]

Hier glaubte man, dass mit dem Tode des Ujhelyr (sic!) Rabbinen auch der Chassidismus untergegangen sei, aber wie wir aus ungetrübten Quellen vernommen, soll die Gemeinde zu Ujhely dem Sterbenden zugesichert haben, dessen Sohn, der bereits seit mehreren Jahren in Galizien sein Unwesen mit nicht geringem Erfolge betreibt, hin zu berufen. Was soll man hierzu sagen? Sollte dieses Gerücht der neuen Wahl nicht unbegründet sein, so steht eine Überhandnehmung des Chassidismus zu befürchten ... «

Die bangen Ahnungen des Schreibers sollten sich bewahrheiten. Im Jahre 1859 berichtet die Zeitschrift "Ben Chananja" über die Begehung des Sterbetages:

»An diesem Tage pflegen 600 – 700 Pilger aus Ungarn, Galizien und Russland hier [in Ujhely] versammelt zu sein, um am Grabe ihres verehrten Meisters ihre Gebete zu verrichten, und ihre Bitten und Wünsche schriftlich zu unterbreiten. « Ben Chananja 6 (1859), S. 292

Noch bis zur Shoah breitete sich der Chassidismus, oder zumindest gewisse Aspekte und Bräuche desselben, innerhalb des strenggläubigen ungarischen Judentums aus. Dieser Einfluss ist bis heute im orthodoxen Judentum stark fühlbar. Nachkommen von Rabbi Mosche Teitelbaum in männlicher Linie sind die Führer der chassidischen Gemeinden von Sighet und Satmar.

Quellen.

  • Markus Horovitz, "Von Liska nach Berlin", Teil 1, Jüdische Presse (Berlin) 5 (1870), S. 41-42.
  • Leopold Löw, "Zur Geschichte der Juden in Ungarn", Ben Chananja 4 (1859), S. 145-157; 5, S. 193-206.
  • Ben Chananja 6 (1859), S. 292.
  • Allgemeine Zeitung des Judentums 37 (1841), S. 524-525.

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