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Deutschkreutz.

»Mitten in Deutsch-Kreuz eine Filiale der Leopoldstadt. Siebzig jüdische Familien wohnen seit tausend Jahren im Deutsch Kreuzer Getto. Denn sie wohnen alle zusammen, in einer großen Häusergruppe hinter den weiten Gehöften der reichen Bauern, und führen ein eigenes Leben. In der Mitte steht der Tempel, mindestens ein paar Jahrhunderte alt. Links vom Tempel wohnt der Rabbiner, ein Mann in mittleren Jahren mit blondem Bart und einem schwarzen Samtkäppchen auf dem Haupte. Er sitzt an einem langen Tisch und um ihn herum seine Jünger. Judenburschen im Alter von sechzehn bis zwanzig. Sie lernen Talmud, alle durcheinander, in ihren monotonen Sing-Sang klingt nur von Zeit zu Zeit der grelle Schrei der Ziehharmonika vom Wirte drüben.«

Diese Zeilen schrieb niemand geringerer als Joseph Roth im Augst 1919 nach seiner ›Reise durch das Heanzenland‹. (Als ›Heanzen‹ werden die deutschsprachigen Bewohner des südlichen und mittleren Burgenlands bezeichnet.)

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Die jüdische Gemeinde Deutschkreutz entstand 1671, nachdem die vertriebenen österreichischen und ungarischen Juden eine Rückkehrerlaubnis erhalten hatten. 1857 erreichte der Anteil der Juden an der Gesamtbevölkerung mit 1.230 Einwohnern seinen Höhepunkt. Weltweit berühmt wurde die jüdische Gemeinde von Deutschkreutz durch ihre Talmudschule, an der - ähnlich wie in Mattersdorf und Eisenstadt - orthodoxe Studenten aus ganz Mitteleuropa eine traditionell-jüdische Ausbildung genossen.

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Zelem צלם.

Die jüdische Gemeinde Deutschkreutz besitzt auch einen hebräischen Namen, der sich vom deutschen deutlich unterscheidet: ›Zelem‹. Das hebräische Wort bedeutet ›Bild‹ im Sinne von ›Götzenbild‹ und wurde offensichtlich gewählt, um das ›-kreutz‹ im Ortsnamen Deutschkreutz zu vermeiden. In der jüdischen Welt ist die Gemeinde Deutschkreutz fast ausschließlich unter seinem hebräischen Namen ›Zelem‹ bekannt.

Jüdischer Friedhof Deutschkreutz - Zur Großansicht[D]

Bild: Gedenktafel am jüdischen Friedhof Deutschkreutz.
Großansicht 37 KB.

Nach der Vertreibung der Juden wurde das jüdische Viertel fast völlig zerstört, 1941 die Synagoge gesprengt. Zahlreiche Grabsteine des verwüsteten jüdischen Friedhofes wurden zur Befestigung des Ostwalls verwendet. Die Wiener Kultusgemeinde brachte nach 1945 38 Grabsteine zum Tor IV des Wiener Zentralfriedhofes, um wenigstens die letzten Steine zu retten. 1992 wurden diese Steine nach Deutschkreutz rückgeführt und Fragmente von Grabsteinen in die Friedhofsmauer eingemauert.

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Österreichisches Jüdisches Museum in Eisenstadt, 2005-2017