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Frauenkirchen.

1678 wurden die seit einigen Jahren im Frauenkirchen benachbarten Mönchhof ansässigen Juden von Husaren überfallen und völlig ausgeplündert. Nach der Zwangsausweisung der Juden durch den Abt des Klosters Heiligenkreuz, zu dessen Herrschaft Mönchhof gehörte, erlaubte Graf Paul Esterházy den Juden die Übersiedlung nach Frauenkirchen. 1712 befanden sich in Frauenkirchen 16 Häuser in jüdischem Besitz, zahlenmäßig erreichte die jüdische Gemeinde 1876 mit 864 Juden ihren Höhepunkt. Die jüdische Gemeinde machte zu diesem Zeitpunkt etwa ein Drittel der Gesamtbevölkerung aus. Danach sank die Zahl der in der Gemeinde ansässigen Juden kontinuierlich, 1934 lebten nur mehr 386 Juden in Frauenkirchen.

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Einer kam zurück.

Gleich nach dem Anschluss im März 1938 wurde in Frauenkirchen ein provisorisches Anhaltelager eingerichtet, in das etwa 400 Juden des Seewinkels eingeliefert wurden. Am 16. April 1938 wurden die meisten dieser Juden über die ungarische Grenze abgeschoben. Bis 17. Mai hatten bereits 127 Personen Frauenkirchen verlassen und am 13. August 1938 befanden sich laut eines Gendarmerieberichtes nur mehr drei Judenfamilien in Frauenkirchen.

»An den letzten Akt erinnert sich die Wirtin des Bahnhofgasthofs. Sie sieht es noch wie heute: den Junitag, den langen Zug der Menschen, jeder nur ein kleines Bündelchen in der Hand. Viele bekannte Gesichter. Es ging durch die Hauptstraße, durch die Esterházygasse, zum Bahnhof. Dort wurden alle auf Viehwaggons geladen. Das war ein Weinen.
Und niemand hat geholfen? Nein Niemand. Was hätte man auch tun sollen?
Freilich, als der Nazibürgermeister des Ortes die Fronleichnamsprozession verbot, hat man doch etwas getan. Die Frauen hätten ihn mit ihren Besen über den Kirchenplatz gejagt, erzählt Pater Josef von den Franziskanern.«

Die Journalistin, Redakteurin und Osteuropa-Korrespondentin Barbara Coudenhove-Calergi recherchierte einige Tage in Frauenkirchen. ›Paul Rosenfeld - Einer kam zurück‹, woraus diese Zeilen stammen, wurde das erste Mal am 14./15. Juni 1986 in der Wochenendbeilage der Süddeutschen Zeitung publiziert.

Paul Rosenfeld, der als einziger nach 1945 nach Frauenkirchen zurückgekehrt war, starb im März 2003.

Jüdischer Friedhof Frauenkirchen - Zur Großansicht[D]

Bild: Blick auf den jüdischen Friedhof Frauenkirchen.
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Österreichisches Jüdisches Museum in Eisenstadt, 2005-2017