Textlogo: Österreichisches Jüdisches Museum; Zur Startseite[D]

Hauptnavigation.

 

Kittsee.

Die jüdische Gemeinde von Kittsee, die schon im 17. Jahrhundert entstanden ist, gehörte schon seit dem Anfang des 18. Jahrhunderts zu den Fürstlich Estherházyschen ›Sieben-Gemeinden‹. 1735 zählte sie 155 jüdische Erwachsene und 111 Kinder. Einen zahlenmäßigen Höhepunkt verzeichnete das Jahr 1821, als in Kittsee 789 Juden lebten. In den folgenden Jahren und Jahrzehnten kam es zu einer starken Abwanderung, da vor allem jüdische Händler nach Wieselburg, Pressburg und Wien zogen, wo sie bessere wirtschaftliche Bedingungen vorfanden. Bis 1934 sank die Zahl auf 62 Juden.

Im jüdischen Viertel von Kittsee wurde 1831 der berühmte Geiger und Komponist Joseph Joachim als siebentes von acht Kindern der Eltern Julius und Fanny Joachim, geborene Figdor, geboren.
Siehe besonders: Gerhard Winkler, Joseph Joachim und Carl Goldmark. Zwei jüdische Musiker aus dem historischen Westungarn, Eisenstadt 2002.

nach oben

Der jüdische Friedhof.

Jüdischer Friedhof Kittsee - Zur Großansicht[D]

Bild: Jüdischer Friedhof neben dem Wasserschloss Kittsee.
Großansicht 53 KB.

Der jüdische Friedhof von Kittsee liegt im Schatten des ehemaligen Wasserschlosses der Esterházy. Auf dem Friedhof befinden sich 150 Grabsteine. Darunter auch das Grab des Chajim Ascher Anschel aus Kittsee, der durch seine illustrierte Pesach-Haggada (1770) berühmt wurde.

Kittsee Haggada - Zur Großansicht[D]

Bild: Titelbild der Haggada von Kittsee.
Großansicht 54 KB.

nach oben

1938.

In der Nacht vom 17. zum 18. April 1938 wurden die Juden aus Kittsee und der Nachbargemeinde Pama aus ihren Betten geholt und zur Donau gebracht. Nach mehreren Tagen des Hin- und Herschiebens über die tschechische, ungarische und deutsch-österreichische Grenze konnten jüdische Hilfsorganisationen in Pressburg den Juden Unterschlupf auf einem französischen Schleppboot organisieren, wo sie vier Monate in den Donauauen ausharren mussten. Die meisten von ihnen konnten letztendlich Aufenthaltserlaubnis in der Tschechoslowakei erhalten. Literarisch verarbeitet hat das Schicksal dieser Juden der jüdische Arzt, Kommunist und Erfolgsautor Friedrich Wolf (geboren 1888 in Neuwied, gestorben 1953 in Lehnitz, Deutschland) in seinem Drama ›Das Schiff auf der Donau. Ein Drama aus der Zeit der Okkupation Österreichs durch die Nazis‹.
Anmerkung: Friedrich Wolf ist der Vater des legendären Chefs des DDR-Nachrichtendienstes Markus Wolf, Generaloberst a. D.

nach oben

Gattendorf.

Gattendorf liegt einige Kilometer südlich von Kittsee. 1806 bestand schon eine Synagoge im Hofe des Meierhofs. 1885 wurde Gattendorf an die jüdische Gemeinde Kittsee angeschlossen. Bis 1934 sank die Zahl der jüdischen Bewohner auf 19 Personen.

Die 1862 neu errichtete Synagoge von Gattendorf überstand die NS-Zeit, allerdings in einem ziemlich desolaten Zustand. Das Gebäude - seit Jahren in Privatbesitz - wurde Anfang Mai 1996 geschleift. Die offiziellen und zuständigen Stellen in Österreich hatten keine Einwände, von der Bevölkerung gab es keine Proteste. Somit erinnert in Gattendorf nur mehr der jüdische Friedhof mit 120 Grabsteinen an die Geschichte der Juden der Gemeinde.

nach oben.

Jüdischer Friedhof Gattendorf - Zur Großansicht[D]

Bild: Jüdischer Friedhof von Gattendorf.
Großansicht 41 KB.

Der jüdische Autor Leopold Moses schrieb in seinem Reisebericht im Februar 1927:

»Der Friedhof liegt eine Viertelstunde von Gattendorf entfernt, von dichten Hecken umgeben. Er ist mindestens hundertfünfzig Jahre alt ... die zum Teil von fast undurchdringlichem Gestrüpp umgebenen Grabsteine weisen Namen von Familien auf, die man heute in Gattendorf vergebens suchen würde. Sie sind längst nach Wien oder Pressburg, wenn nicht gar nach Budapest abgewandert. Eine von diesen Familien führt den Namen Materna, der wohl von dem ... Frauennamen Matrona hebräisch abgeleitet sein dürfte ... und so kann man auch hier eine Fülle anregender Dinge finden, die unsere Kenntnis um unser eigenes Sein vermehren ...«

Siehe besonders: Almut Jaschke, Metamorphosen, Wien - Jerusalem 2002.

Sehr wahrscheinlich spielt Franz Werfels ›Die wahre Geschichte vom wiederhergestellten Kreuz‹ aus dem Romanfragment ›Cella oder Die Überwinder‹ nicht in Parndorf, wo es weder eine Synagoge noch einen Rabbiner gab, sondern im benachbarten Gattendorf. Das Romanfragment war das einzige von Werfel wirklich fertig gestellete Romanstück seines groß angelegten Cella-Themas.

nach oben


Zusatznavigation.

Suche.


Zurück zur Hauptnavigation.
Zurück zur Navigation der Unterseiten von Bereich Gemeinden.
Zurück zum Inhalt von ›Kittsee‹.
Zurück zur Zusatznavigation mit Suche, Links zu Leichter Sprache, Hilfe, Lexikon und Inhalt.

Österreichisches Jüdisches Museum in Eisenstadt, 2005-2017