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Kobersdorf.

Am 4. April 2005 fand im Parlament in Wien eine offizielle Gedenkveranstaltung der österreichischen Bundesregierung für die Opfer des Nationalsozialismus statt. Der Präsident des Bundesrates Georg Pehm leitete seine Rede mit einer Erzählung seiner Großmutter aus seiner burgenländischen Heimatgemeinde Kobersdorf ein:

»Dort haben eines Tages vor dem Krieg Kinder aus dem Dorf auf einer Mauer sitzen und mitansehen müssen, wie jüdische Bürgerinnen und Bürger aus Kobersdorf gedemütigt, verspottet und misshandelt wurden. Noch waren die Juden aus ihrem Heimatort nicht vertrieben und eigentlich wollten sie bleiben. Aber dann, irgendwann, waren auch sie, die Juden aus Kobersdorf, endgültig weg. Alle 172.« Zitat Georg Pehm im Wiener Parlament am 4. April 2005.

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Die jüdische Gemeinde von Kobersdorf ist 1526 oder 1527 entstanden, als nach der Niederlage des ungarischen Heeres gegen das osmanische Heer in der Schlacht von Mohács die aus Ödenburg vertriebenen Juden in Kobersdorf Zuflucht gefunden hatten. So wie Eisenstadt und Mattersburg dürfte Kobersdorf im 16. Jahrhundert eine vollausgebildete Gemeinde mit Synagoge, Friedhof, Rabbiner, Schächter, Schulsinger und Gemeindegericht gewesen sein. Schon 1569 zählte die Gemeinde 18 jüdische Familien in sieben Häusern. Nach vorübergehender Auflassung kam es in den Jahren nach 1670 zur Wiedererrichtung der Gemeinde und seit dem 18. Jahrhundert zählte Kobersdorf zu den Esterházyschen ›Sieben Gemeinden‹. 1828 wohnten 746 Juden in Kobersdorf, bis 1934 sank die Zahl der jüdischen Bewohner auf 172, was aber noch immer einen Prozentsatz von knapp 13% der Gesamtbevölkerung ausmachte.

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Ein frommer Kurort.

Jüdischer Friedhof Kobersdorf - Zur Großansicht[D]

Bild: Jüdischer Friedhof Kobersdorf.
Großansicht 48 KB.

Kobersdorf galt vor allem wegen des berühmten Mineralwassers als beliebter Kurort unter den ›Sieben Gemeinden‹ und die Gemeinde bemühte sich besonders um orthodoxe jüdische Sommergäste. Tatsächlich galt die jüdische Gemeinde Kobersdorf als die frömmste unter den ›Sieben Gemeinden‹. Die 1860 im Stil des Historismus erbaute Synagoge gegenüber dem Schloss ist heute noch zu sehen und wird seit vielen Jahren renoviert.

Die Kobersdorfer Juden trugen den Spitznamen ›die Einseitigen‹, weil die Gemeinde auf den Häuserbogen am Fuß des alten Schlosses beschränkt war.

Einige Minuten Fußweg von der Synagoge entfernt befindet sich an einem Berghang der jüdische Friedhof. Dieser wunderschöne, idyllisch wirkende Friedhof ist der einzige Waldfriedhof des Burgenlandes, mit etwa 1.000 Grabsteinen.

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Österreichisches Jüdisches Museum in Eisenstadt, 2005-2017