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Lackenbach.

»Mit Wehmut denke ich zurück an dieses Sonnenland meiner Kindheit, an meine Kehilla (= Gemeinde) Lackenbach, an diese blühende jüdische Gemeinde, die 1938 durch die nationalsozialistischen Machthaber vernichtet wurde ... Lackenbach war ein freundliches Städtchen, für seinen Bezirk ein kleines Handelszentrum. Die Juden dort waren ja typische, kleinstädtische Handelsjuden mit allen Gewohnheiten und Lässigkeiten ... Die Synagoge war ein repräsentativer Bau und war ziemlich alt. Die Decken und Wände wiesen herrliche Gemälde auf, Bilder, die man sonst nicht zu sehen bekommen hat, in Frische und Farbenpracht einzig dastehend. Sie zeigen ein Bild von der hohen Kulturstufe, die in Lackenbach von jeher heimisch war.«

Diese Sätze schrieb Rabbiner Adonijahu Krauss, der Sohn des letzten Rabbiners von Lackenbach, im Jahr 1963. Er selbst war nach dem Krieg Rabbiner in München und Regensburg und starb 1987 in Israel.

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Die erste Erwähnung von Juden in Lackenbach stammt aus dem Jahr 1552. Zur Entwicklung einer jüdischen Gemeinde kam es jedoch erst einige Jahre später, als viele Juden aus der Umgebung nach Lackenbach zogen. Der Grund für die Übersiedlung dürfte der Ausbau von Lackenbach mit einem Kastell in Form einer Festung, einer Bierbrauerei und einem Meierhof gewesen sein. Seit dem 18. Jahrhundert gehörte Lackenbach zu den Esterházyschen ›Sieben Gemeinden‹. 1869 lebten 770 (62%) und im Gegensatz zu den anderen Gemeinden 1934 noch 346 (21%) Juden in Lackenbach. Dieser hohe prozentuelle Anteil der Juden an der Gesamtbevölkerung nährte die nicht ganz ernst gedachte mündliche Überlieferung, dass Lackenbach ausschließlich aus jüdischen Einwohnern bestand.

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Was blieb ....

Jüdischer Friedhof Lackenbach - Zur Großansicht[D]

Bild: Jüdischer Friedhof Lackenbach.
Großansicht 54 KB.

Einige Wochen nach dem sogenannten Anschluss im März 1938 wurden die meisten Lackenbacher Juden auf Lastwagen gepfercht und nach Wien zwangsumgesiedelt. 1942 wurde die prächtige und große Synagoge gesprengt. An sie erinnert heute eine ganz kleine, kaum auffindbare Gedenktafel.

Der jüdische Friedhof ist erhalten geblieben und mit 1.770 Grabsteinen der größte jüdische Friedhof im Burgenland. Hier findet sich auch das Grab von Arthur Schnitzlers Urgroßvater Markus Mordechai Schey, den der Schriftsteller als gelähmten Greis deutlich in Erinnerung hat. Ihm und seinem jüngeren Bruder, Baron Philipp Freiherr Schey, dessen Grab sich auch auf dem Lackenbacher Friedhof findet, setzte Schnitzler in ›Der Weg ins Freie‹ ein literarisches Denkmal.

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Österreichisches Jüdisches Museum in Eisenstadt, 2005-2017